Ernst Abbe (1840-1905)

Sein Name wird in den weitaus meisten Publikationen vor allem mit Carl Zeiss (1816-1888) und dessen Optischen Werken in Jena und später in Oberkochen in Verbindung gebracht. Kaum jemand weiß. daß Ernst Karl Abbe, der am 23. Januar 1840 in Eisenach auf die Welt kam, eigentlich von Haus aus Astronom war. Seine Begabung, insbesondere für mathematische und naturwissenschaftliche Themen, machte sich schon während der Schulzeit auffallend bemerkbar, und so begann er 1857 mit dem Studium von Mathematik, Astronomie, Physik und Philosophie an der Universität Jena, obwohl seine Eltern wünschten, daß er eine ,,sinnvollere" kaufmännische Lehre abschließen sollte.

1859 erhielt er ein Stipendium der Universität Göttingen, daß er dankbar annahm, um dort sein Mathematikstudium zu vertiefen und nebenher Vorlesungen über Astronomie, Philosophie, Politik und Soziologie beizuwohnen. Außerdem ergriff er die günstige Gelegenheit, sich tiefgreifende optische Kenntnisse anzueignen. 1861 folgte die Promotion und noch im Sommer gleichen Jahres trat er eine Assistentenstelle an der Göttinger Sternwarte an, die ihn u.a. mit den Zonenbeobachtungen, die mit dem Meridiankreis von Reichenbach vorgenommen wurden, in Berührung brachte. Zwischenzeitlich hielt Abbe im Wintersemester 1861/62 verschiedene Vorträge im physikalischen Verein zu Frankfurt am Main.

1863 ging er zurück nach Jena, habilitierte in Astronomie, Physik und Mathematik und wurde 1870 zum außerordentlichen Professor der Universität ernannt. 1877 übertrug man ihm die Leitung der Jenaer Sternwarte. Doch die etwa auf das Jahr 1866 zurückgehende Freundschaft mit Carl Zeiss, die dazu führte, daß er sich zunehmend der Optik zuwandte, schließlich Mitarbeiter und Mitinhaber in dessen Firma wurde, hinderte ihn an der vollständigen Wahrnehmung dieser Aufgabe.

Dennoch schaffte es Abbe, der es meisterhaft verstand, im Hintergrund zu wirken, die reichlich verwahrloste Sternwarte wieder auf Vordermann zu bringen. Ein neues Gebäude mit 5.5 m durchmessender, drehbarer Kuppel und an dessen Flanken zwei Meridiansälen entstand etwa 1888, neue Beobachtungsgeräte (u.a. ein 20 cm Refraktor und zwei Meridiankreise mit jeweils 93 cm Brennweite und einer Öffnung von 7.7 cm) folgten schon bald.

Der Schwerpunkt von Abbes Arbeiten lag jedoch in den Forschungen über die Optik von Mikroskopen für Carl Zeiss, wobei er sich insbesondere um die ständige Verbesserung der optischen Linsen und ihrer gewissenhaften Herstellung verdient machte. Als Carl Zeiss am 3. Dezember 1888 starb, übernahm Abbe die Gesamtleitung der Optischen Werke und konnte so noch weniger Zeit für die Sternwarte erübrigen, dessen Leitung er 1890 endgültig an Otto Knopf (1856-1945) abgab.

Bereits seit vielen Jahren hatten Abbe und Zeiss mit Otto Schott (1851-1935), dem Begründer der Glaswerke ,,Schott & Gen." zusammengearbeitet und dabei Bedeutendes für den Aufbau einer optischen Industrie in Europa geleistet. 1891 gründete Abbe die ,,Carl Zeiss-Stiftung", der er sein gesamtes Vermögen überschrieb (und die in späteren Jahren auch wieder die Jenaer Sternwarte maßgeblich unterstützte).

Als Direktor der Zeiss-Werke konnte Ernst Abbe, der einer Arbeiterfamilie entstammte, eine Reihe sozialpolitischer Vorstellungen verwirklichen, zu denen u.a. die Einführung eines Acht-Stunden-Tages und eine stufenweise Umsatzbeteiligung für alle Beschäftigten gehörten.

Nach langer und schwerer Krankheit starb Ernst Abbe, der sich zum Schluß hauptsächlich seiner Stiftung und deren vielschichtigen Aufgaben widmete, am 14. Januar 1905 in Jena, der Stadt, die ihn wegen seiner Verdienste um die Entwicklung der optischen Industrie einerseits und seiner überzeugten, humanitären Einstellung zum Ehrenbürger machte.

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