9. Januar 1982: total

Am 9.1. 1982 sollte sich in der Zeit von 18.15 - 23.37 Uhr MEZ (Ein- bzw. Austritt aus dem Halbschatten) über Hamburg eine totale Mondfinsternis ereignen.

Das Wochenende vor der eigentlichen Finsternis brachte Hamburg einen durchweg bedeckten Himmel, starkes Glatteis und teilweise sogar leichten Schneefall. Der allabendliche Blick zur Wetterkarte wurde intensiver, zeigte jedoch zunächst ein Tiefdruckgebiet, das sich über Deutschland aufhielt und später nach Osten abdriften sollte. Von klarem oder zumindest wolkenarmen Himmel keine Spur.

Am Dienstagabend die erste positive Vorhersage: Eine Hochdruckzone kam vom Atlantik herüber und sollte wenig Wolken und eisige Kälte bringen. Die Erwartungen, vielleicht einmal eine Mondfinsternis ohne Bewölkung zu erleben, stiegen, denn die letzte Finsternis (16.12.1979) spielte sich in Hamburg fast vollständig hinter Wolken ab!

Klarer Himmel am Tage und in der Nacht waren mit einem Mal an der Tagesordnung. Wie lange würde sich dieses Wetter halten? Herrliche Sonnenuntergänge schienen eine Periode beständig schönen Wetters anzukündigen. Verstohlene Blicke zum zunehmenden Mond, der im Abenddunst knapp über den Häusern stand. Hoffnungsvolles Aufatmen dann am Freitagabend, als der Wetterbericht wenig bewölkten Himmel und kalte Nächte für die kommenden Tage ankündigte. Ein fallendes Barometer und eine drohende Wolkenbank am südlichen Horizont schienen dann am Samstagmorgen die Träume wie Seifenblase zerplatzen zu lassen. Glücklicherweise verblieb sie aber den ganzen Tag dort, auch während der Finsternis.

Zuvor gab es dann noch einige Hiobsbotschaften: Ein Freund, der die Finsternis mit seinem 200mm-Tele fotografieren wollte, sagte kurzerhand ab. Außerdem erfuhr ich, daß meine Kamera einen 42mm-Adapter für die Fernrohre benötigte (damals besaß ich sie erst einige Tage). Natürlich hatte ich keinen solchen Adapter dabei. Trotzdem wollte ich aber nicht auf diese einmalige Gelegenheit verzichten, packte Kamera und Filme, Drahtauslöser, 10x50 Feldstecher mit Halterung sowie ein Notizbuch zusammen und wartete, beinahe schon sehnsüchtig, auf den Abend. Als ich mich dann endlich auf den Weg machte, zeigte das Thermometer 5°C an, mit fallender Tendenz.

Die Repsold-Sternwarte der GvA (Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V.) hatte einiges geplant und so hoffte ich, hier jemanden zu finden, der im Besitz des gesuchten Adapters war. Notfalls hätte man sicherlich auch mit einem Tasco-Adapter arbeiten können, doch dann wäre das Fotografieren zu einer äußerst wackeligen Angelegenheit geworden.

Während ich durch den hartgefrorenen Schnee des Hamburger Stadtparks watete, blickte ich immer wieder zum bereits aufgegangenen Mond, der knapp über dem Horizont stand und durch die dort dichtere Atmosphäre größer wirkte als sonst. Auf der Sternwarte angekommen, erfuhr ich, daß tatsächlich ein Sternfreund einen Adapter für Minoltakameras dabei hatte und so freundlich war, ihn mir für eine Weile auszuleihen.

Der 15O/2285 mm Refraktor und das C 8 waren zum Fotografieren, andere Geräte zum Beobachten des Ereignisses aufgestellt worden. Rasch schraubte ich meine Kamera an das Fotogewinde des großen Refraktors und machte einige Probeaufnahmen vom Vollmond bei Belichtungszeiten von 1/8 bis 1/30 sec. auf dem feinkörnigen und daher hoch nachvergrößerbaren Agfa Ortho 25, die ich kurz vor Beginn wiederholte.

Leider machte ich hierbei den Fehler, meine Brille abzunehmen, um besser an den Sucher meiner Kamera heranzukommen. Da ich keine Korrekturlinse angebracht hatte, wurden die Aufnahmen entsprechen unscharf! Dennoch zeigte sich, daß die Aufnahmen, trotz Unschärfe durchweg gut belichtet waren. Die Fotos wurden im Fokus des 15cm-Refraktors gewonnen.

Das Wetter hielt sich glücklicherweise, wenngleich auch die Bewölkung im Süden immer mehr zunahm. Im Norden war kurz der Ausläufer einer größeren Wolkenbank zu sehen gewesen, der sich aber rasch wieder verflüchtigte.

Je schneller jetzt die Zeit voranschritt, desto häufiger wurden die Blicke zum Mond. Die gegen 18:17 MEZ einsetzende Halbschattenfinsternis war kaum bemerkbar und erst eine gute Stunde später begann der Kernschatten der Erde nach dem Mond zu greifen und ihn von der linken Seite her zu verfinstern.

Ich fertigte einige Aufnahmen der zunehmenden Verfinsterung an und wartete gespannt auf die Totalität. Leider herrschte an den Fernrohren ein derartiger Andrang, daß meine Bilder nur die Zeit ab der Mitte der beginnenden Finsternis abdecken. Die Totalität bescherte uns dann einen wunderschön angeleuchteten Mond. Als der Zeitpunkt der Totalität immer näherrückte, drängten sich wahre Trauben von Sternfreunden an den bereitstehenden Fernrohren, um ihren Beginn auf Foto festzuhalten. Aufgrund der längeren Totalitätsphase (im Vergleich zu Sonnenfinsternissen) hat man die Möglichkeit, den Beginn visuell zu beobachten und anschließend seine Aufnahmen zu machen. Für diesen Zweck hatte ich mir einen Kodak Ektachrome 400 (Farbdiafilm) gekauft.

Die Filme waren also schnell gewechselt und die Kamera am 15 cm Refraktor angeschraubt. Während der Totalität gestaltet sich das Scharfstellen des Mondes aufgrund seiner geringen Lichtstärke als äußerst schwierig uni man ist gut beraten, den Mondrand anzuvisieren und genügend Filmmaterial dabeizuhaben. Insbesondere letzteres ist von unschätzbarem Vorteil, denn je mehr Aufnahmen man machen kann, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, eines oder mehrere gut belichtete Bilder zu bekommen. Nicht vergessen sollte man ein Notizbuch, in dem alle Aufnahmen eingetragen werden, um später nachzuprüfen, bei welchen Werten die besten Aufnahmen gelangen.

Ein wichtiger Punkt sollte nicht aus den Augen verloren werden: Die Temperaturen während der Beobachtung und Fotografie! Auf der Repsold-Sternwarte wurden zu Beginn der Finsternis 9° gemessen. Später lagen die Werte bei -10 bis 15°, vermutlich sogar noch darunter. Warme Kleidung war auf jeden Fall unerläßlich. Zudem schlug sich die Kälte auf Fernrohre und Fotoapparate nieder, Gewindeadapter froren und die Hände wurden beim mehrmaligen Scharfstellen gefühllos und begannen erst zehn Minuten im erwärmten Raum langsam wieder aufzutauen Besitzer elektronischer Kameras sollten diese Räume wenn möglich, öfters aufsuchen, um den bei Kälte ohnehin geringen Energiefluß de Batterien nicht vollends zum Erliegen zu bringen.

Da hier ohne Okular fotografiert wird und das Fernrohr somit als Teleobjektiv gilt (es sei denn, man verwendet langbrennweitige Teles), sollte man die Hand schützend über das geöffnete Gehäuse legen, damit der Verschluß oder der Spiegel nicht festfrieren! Aber Vorsicht! Es kann beim Übergang vom warmen Raum in die eisige Kälte zur Tröpfchenbildung kommen, die sich hartnäckig auf dem Spiegel festsetzen und zu Eis gefrieren.

Zusammen mit einem anderen Astrofotografen machte ich in einem Zeitraum von etwa 20 Minuten rund 20 Aufnahmen auf dem E 400 mit Belichtungszeiten zwischen 15 sec und 1 Min. Leider hatte, wie sich später herausstellte, die Filmperforation nicht in die Transportwalze der Kamera gegriffen und den Film daher auch nicht transportiert. Darum erhielt ich von der Finsternis kein einziges Totalitätsdia!

Und so blieben mir letztlich nur die ca 20 Fotos, die am 15 cm Refraktor auf Agfa Ortho 25 gemacht wurden. Trotz ihrer Unschärfe entschädigen sie doch etwas für die verlorengegangenen Aufnahmen.

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