9./10. Dezember 1992: total

Es war das astronomische Top-Ereignis des Jahres 1992 - und der Mega-Flop dazu. In den Nachmittagsstunden des 7. Dezember hatte einsetzender Schneeregen für kurze Zeit manche Gebiete in Norddeutschland (Lüneburger Heide) in weiße Flächen verwandelt, und auch danach blieb das Wetter schlecht. Selbst am Tage der Mondfinsternis waren die Aussichten eher negativ einzuschätzen - wie kann man nur ein derartiges Naturschauspiel auf einen so schlechten Platz terminieren ?!

Erst gegen Abend schien sich der angekündigte Hochdruckkeil aus Richtung Skandinavien endlich durchsetzen. Der nervige Hochnebel wich zurück und die Wolkendecke wurde von Minute zu Minute lichter. Gegen 17:30 Uhr kam ich bei mir zu Hause an und konnte sogleich den Vollmond sehen, wie er im Dunst stehend über den Häusern hervorlugte. Meine Hoffnung stieg, vielleicht doch noch diese Eclipse in ihrer partiellen Phase und der Totalität zu beobachten und zu fotografieren. Glücklicherweise hatte ich mich rechtzeitig mit drei Kodak Ektachrome 400 Diafilmen eingedeckt. Aber der Tag war noch nicht zu Ende und die Finsternis noch fern...

Schon eine Stunde später deutete sich das Unvermeidliche an von Südosten her schob sich eine Wolkenschicht auf den Mond zu und hüllte ihn vollkommen ein. Als sich auch nach einer weiteren Stunde nichts an dieser Situation änderte, zerstoben alle Hoffnungen wie eine Seifenblase im Wind, und ich gab den Plan auf, mein C 8 ins Auto zu verfrachten und zur Repsold-Sternwarte der (Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V.) ins Planetarium zu fahren. Hinzu kam, daß ich, berufsbedingt, einen achtstündigen Computerkurs hinter nur hatte und entsprechend müde war.

Der bedeckte Himmel schien dem geneigten Beobachter keinen Blick auf den Mond gönnen zu wollen, und doch gegen 23.20 Uhr schien Petrus ein Einsehen zu haben und gab den Wolken an meinem Wohnsitz in Hamburg-Wandsbek den Befehl zum teilweisen Rückzug. Doch leider wurde dieser nur unvollständig befolgt. denn gegen 23.40 Uhr war der Himmel, nachdem man in einigen wenigen Augenblicken durch mikroskopisch kleine Lücken hindurch die Partialität sehen konnte, wieder vollkommen dicht und er blieb es auch. Die Vorstellung. vielleicht in einer nahen Grünanlage doch noch kurzfristig das C 8 aufstellen zu können. blieb ein Traum.

Zu meiner Beruhigung erfuhr ich tags darauf in einer Wissenschaftssendung im Deutschlandfunk, Forschung aktuell, daß man nach vorliegenden Berichten in ganz Deutschland und weiten Teilen Europas diese Mondfinsternis nicht beobachten konnte. Auch Skyweek bestätigte dies in der Ausgabe 50/92. Einzige Ausnahmen waren offenbar Guy Hurst in England und mehrere Beobachter im Osten der USA! Also hielt sich bei mir der Frust in erträglichen Grenzen.

Doch dann kam der 15. Dezember 1992: Eine Gruppe ehemaliger Volkshochschüler traf sich in den Räumen der GvA im Planetanum, und ich durfte erstaunt den Ausführungen eines Sternfreundes lauschen, der davon erzählte, daß er von seinem Haus in Hamburg-Poppenbüttel aus die Mondfinsternis, nur gelegentlich von Wolken unterbrochen, bis nach 1 Uhr hat sehen können...

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