Die Sonnenfinsternis vom 29.3.2006

Es sollte die letzte totale Sonnenfinsternis in Europa für die nächsten Jahre sein, die man innerhalb Europas beobachten kann. In Deutschland würde man sie immer noch mit recht passabler Phase als partielle Verfinsterung beobachten können. Lange bevor der Termin anstand, wurden bereits Pläne geschmiedet, wo man diese Eclipse am besten beobachten könnte.

Während die meisten GvA-Mitglieder für dieses Ereignis einen mehr oder weniger langen Urlaub planten, musste ich bei einem Blick auf das Datum feststellen, dass diese Sonnenfinsternis in einen Zeitraum fiel, in dem ich an Urlaub nicht einmal denken konnte, höchstens für maximal einen Tag und auch das nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Aber das bekam ich dann irgendwie hin. Ein weitaus größeres Problem stellte das Wetter dar. Die beiden Hauptreiseziele Türkei und Libyen boten wenigstens eine mehr oder minder vorhandene Garantie für eine Sichtung des Ereignisses, Deutschland nur die für schlechtes Wetter.

Hartwig Lüthen hatte wenige Tage vor der Finsternis über die GvA-Mailinglisten die Wetteraussichten vor allem für die Türkei gepostet (und netterweise für die Region Hamburg darauf verzichtet).

Michael Steen und ich hatten uns entschlossen, die partielle Verfinsterung gemeinsam zu beobachten. Also trafen wir uns am Montag Abend, um die Wetterlage zu eruieren. Die meisten GvA-Mitglieder, die zur Sofi fuhren, lagen an diesem Tag bestimmt schon an irgendeinem Strand, ließen sich die Sonne auf den Bauch scheinen, und in Hamburg-Harburg hatte gerade ein Tornado Teile des Stadtbildes verwüstet und bei mir in Wandsbek immerhin noch zu sehr heftigen Regenfällen geführt.

Wir riefen im Internet mehrere Wetterseiten auf, aber das Bild für die kommenden Tage war einheitlich, nämlich einheitlich schlecht. Egal wohin man hätte fahren können, überall die gleichen trostlosen Aussichten. Daher beschlossen wir, zur MBS zu fahren und dort das weitere Geschehen abzuwarten. Auch angesichts der Benzinpreise wollten wir nicht einfach nur mal so eine komplette Tankfüllung verheizen, ohne das man die Gewissheit hatte, etwas beobachten zu können. Es gab nicht den Funken einer Hoffnung, dass man irgendwo in den umliegenden Bundesländern, Mecklenburg-Vorpommern oder in den Niederlanden eine wolkenfreie Zone erwischen konnte. Nur für die Nordseeinsel Helgoland sah es einen Tick besser aus ...

Folglich entwarfen wir für den Mittwoch einen Schlachtplan, wie wir vorgehen wollten, da man um das CCB herum wochentags nur gebührenpflichtige Parkplätze haben würde, ein weiteres Problem. Daher wollten wir am Dienstag Abend unsere Ausrüstung in die MBS bringen, am Mittwoch tagsüber beobachten und abends dann alles wieder abholen. Kurzerhand schloss sich dann auch Wolfgang Moldenhauer unserem Vorhaben an.

Am Dienstag war am Himmel von dem Unwetter am Tag zuvor nichts mehr zu sehen, nur die Schäden des Tornados, der eine Schneise von Hamburg-Harburg bis nach Spadenland zog, wurden mehr und mehr sichtbar. Die Bewölkung am Dienstag ging immer mehr zurück und am Abend war es sogar eine Zeitlang klar (obwohl es nach dem Wetterbericht regnen sollte) und wir konnten auf der MBS mit dem C 8 und der Webcam noch Saturn aufnehmen. Das Seeing war zwar nicht vom allerfeinsten, aber guter Durchschnitt. Wir hielten bis Mitternacht durch und fuhren dann nach Hause. Bereits gegen 23 Uhr hatte es sich zugezogen, in unseren Vereinsräumen bearbeitete ich dann die Videos, nebenher sahen wir zwei Folgen der Sendereihe "Alpha Centauri", die ich auf DVD gebrannt hatte.

Und dann kam er, der große Tag. Gleich nach dem Aufwachen (funktionierte ohne Wecker) blickte ich zum Himmel. Aha, im Osten waren zwei kleine Wolkenlücken zu sehen. Sollte etwa ..?

Da wir am Tage keine Parkplätze rund um das CCB bekommen würden, wollte ich an diesem Morgen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Sternwarte fahren, nachdem mich diese durch einen Komplettausfall der U 1 (Notfalleinsatz) am Tag zuvor noch schmählich im Stich gelassen hatten. Nun gut, an diesem Morgen klappte es aber immer noch nicht so richtig, sodass ich nach einer guten Stunde Fahrzeit von Wandsbek nach Bergedorf endlich auch mal ankam. Michael und Wolfgang waren bereits da, als ich bei leichtem Tröpfelregen auf der MBS eintraf.

Natürlich war die Stimmung erst mal im Keller. Unverdrossen bauten Wolfgang und Michael die Teleskope vor der MBS auf. Plötzlich riss, leider noch weit vor dem 1. Kontakt, die dichte Wolkendecke leicht auf. Wir stürmten nach draußen, aber nach wenigen Augenblicken war der Blick auf die Sonne schon wieder verwehrt. Es sollte der letzte für diesen Tag gewesen sein.

Wir vertrieben uns die Zeit bis zum 1. Kontakt mit Klönen, Tee trinken, DVD gucken und hoffnungsvollen Blicken zum Himmel. Kurz vor dem 1. Kontakt um 11:41 Uhr MESZ geschah das Unfassbare: Der für die vorhergehende Nacht angekündigte Sturm legte um satte 10 Stunden verspätet los und fegte dicke Regentropfen über das Gelände. Wolfgang deckte schnell seine Montierung mit einer grauen Plastikplane ab, unter die immer wieder der Wind griff und sie hochzuheben drohte. Am Abend zuvor hatte er noch rings um die Montierung kleine Plastikstreifen angebracht, um die Aufstellung des Teleskop für den Tag der Sonnenfinsternis zu vereinfachen.

Der Regen hämmerte unverdrossen auf das Dach des Pavillons, wir vertrieben uns die Zeit, in dem wir drinnen fotografierten, Kekse aßen, noch mehr Tee tranken und schließlich die Jalousien im Vortragsraum und Foyer öffneten, um die Regenschlacht auf dem Vorplatz zu beobachten.

Wolfgang kam als erster auf die Idee, die Sofi auf dem Rechner zu simulieren. Schließlich kamen wir zu echten Finsternisfotos, indem ich sie mit Guide 8.0 auf meinem Laptop ablaufen und über den Beamer auf die Leinwand projizieren ließen. Davon machten wir dann Fotos und Videos ...

Der Regen prasselte unaufhörlich weiter auf das Dach und unsere Hoffnung, überhaupt etwas zu sehen, schwanden mit der Menge des fallenden Regens dahin wie in der Hitze schmelzender Schnee. Schließlich, als wir genug Jokiebilder und -videos aufgenommen, uns eine Sendung über die Sonne aus der Reihe Planet Wissen und teilweise einen Teil aus der Serie "earth views" aus der Space Night nebenher angesehen haben und Wolfgang schon aus schierer Verzweiflung mit seiner Webcam den Bergedorfer Funkturm gefilmt hatte, gaben wir auf. Wir holten die klatschnassen Teleskope herein und harrten noch eine Weile aus, bis wir letzten Endes die Jalousien wieder zumachten, unsere Sachen in den Vortragsraum stellten (diese wollten wir am Abend, wenn man wieder vor dem CCB parken konnte, wieder abholen) und die MBS in Richtung Lavastein verließen. Auch der Weg dorthin war von unangenehm nasskaltem Wind und Regen gekennzeichnet. Im Lavastein stärkten wir uns, sprachen noch über die Finsternis und verschiedene andere Dinge, sodass dieser Teil des Tages noch sehr nett und gemütlich wurde.

Mit den "Öffis" ging es dieses Mal problemloser nach Hause, wo ich erst mal meinen Fernseher einschaltete. Auf n-tv und N 24 wurde über die tolle Sofi in Side berichtet (das ZDF brachte später einen Beitrag aus Libyen), die Sequenzen nahm ich auf meinen Festplattenrekorder auf. Abends kam noch eine Konserve auf 3 Sat über die Sofi von 1999 (wobei aber dessen Inhalt starken Eingang die die "Sonnensendung" im Rahmen von Planet Wissen gefunden hatte.

Michael hatte freundlicherweise schon kurz nach 18 Uhr alles in sein Auto gepackt und konnte Wolfgangs Equipment denn gleich auf dem einzigen Parkplatz vor der MBS aushändigen und brachte abends meine Sachen zu mir, so musste ich nicht vor der MBS oder im "Großraum City-Center Bergedorf" nach einem Parkplatz suchen. So sahen wir uns die Meldungen im Fernsehen, verschiedenen Videotexten und im Internet an und stellten fest, dass wir ausgesprochenes Pech hatten, dass die für die Nacht vor der Sofi angekündigte Regenfront erst genau zum 1. Kontakt kam und dadurch im Berliner Raum die Sofi teilweise sichtbar war. Auch in Frankfurt, in Teilen des Rheinlandes konnte ein wenig von der Sofi gesehen werden, nur bei uns lief außer den Regentropfen von den Fensterscheiben rein gar nichts.

Dennoch war es ein netter Vormittag, der mit einem Essen in unserem Stammlokal endete. Leider ging damit die letzte Chance auf die Beobachtung eines astronomischen Highlights auf der Max-Beyer-Sternwarte völlig daneben. Es bleibt nur zu hoffen, dass wir zur kommenden Beobachtungssaison einen neuen Standort gefunden haben, wenn nicht ...

Und es war natürlich logisch, dass abends, als Michael wieder nach Hause fuhr, der Himmel wieder klar war, eine reine Verhöhnung durch das Wetter!

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