28. Oktober 1985: total

Nicht immer hat man die (theoretische) Möglichkeit, innerhalb eines Jahres gleich zwei totale Mondfinsternisse zu beobachten. In diesem Jahr stand der Mond am 4.Mai und am 28.Oktober auf gerader Linie mit Sonne und Erde, so daß er vom Erdschatten verfinstert wurde.

Nachdem wir von der Mai-Finsternis aufgrund von tiefhängenden Wolken und leichtem Nieselregen nichts zu sehen bekamen, schien auch das Ereignis vom 28.10. zunächst einen ähnlichen Verlauf zu nehmen. Trotz Hochnebel fuhren ein Freund und ich mit dem Auto zum Planetarium im Hamburger Stadtpark, in dessen Räumen die (Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V.) (GvA) die Repsold-Sternwarte betreibt.

Gemeinsam mit einigen anderen Sternfreunden warteten wir nun gespannt auf den Beginn der Finsternis. Doch es blieb erst einmal wie erwartet. Der Eintritt des Mondes in Halb- und Kernschatten konnte ebensowenig gesehen werden, wie das Ende der Totalität. Vermutungen über die Struktur des Hochnebels halfen auch nicht weiter. Als jedoch um kurz nach 19 Uhr MEZ hoch im Zenit die ersten Sterne sichtbar wurden, schöpften wir wieder etwas Hoffnung, zumindest den Austritt aus dem Kernschatten beobachten und fotografieren zu können.

Und tatsächlich: Gegen 19:15 Uhr, als die ersten schon resignierend nach Hause gegangen waren und auch ein Zeitungsreporter, der die Finsternis auf dem Film festhalten wollte, nach 15 Minuten enttäuscht seine Fotoausrüstung abgebaut hatte, sah man im Osten einen hellen Schimmer, der zusehends größer wurde und sich bei einem Blick durch den 10x50 Feldstecher als Mondsichel herausstellte. Der Feldstecher zeigte den rötlich beleuchteten Teil erst nur schemenhaft, doch der Mond trat gegenüber dem Hochnebel immer stärker hervor, es dauerte jedoch noch eine ganze Weile, bis man ans fotografieren denken konnte. In der Zwischenzeit nahm der rötliche Teil immer mehr ab und so versuchte ich, den Mond mit einem 200 mm-Tele plus 2fach Telekonverter (Effektivbrennweite: 400mm) bei 2-4 sec. Belichtungszeit aufzunehmen.

Da die Sicht immer besser wurde, lohnte sich auch die Aufstellung größer Geräte, wie den Kometensucher und das C 8. Den Mond im Okular des Kometensuchers zu erspähen, war ein Hochgenuß. Danach schraubte ich dann meine Kamera an das C8, um den Rest der Finsternis fokal zu fotografieren. Leider hatte ich mich bei den Belichtungszeiten verschätzt, so daß ein Großteil der Aufnahmen hoffnungslos überbelichtet waren. Die letzten Bilder auf dem Film (Kodak Ektachrome 400, Farbdiafilm) gelangen mir dann doch noch, bei eingestellter Kameraautomatik (1/60 sec.).

Trotz der im Grunde eher schlechten Bedingungen und der Panne beim Errechnen der Belichtungszeit war ich am Ende zufrieden, als ich die entwickelten Dias mit der Post zugestellt bekam. Die letzten Bilder waren verhältnismäßig gut geworden, waren sie doch die ersten, die mir bei einer totalen Mondfinsternis gelangen!

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