27. Dezember 2001

Eigentlich war heute nicht mehr damit zu rechnen, dass die Sonne überhaupt noch zu beobachten wäre. Heftige Schneeschauer, Sturmböen und Regen schlugen den ganzen Vormittag wie verrückt gegen meine Fensterscheiben. So einen Tag nach Weihnachten ein Geschenk in Form eines klaren Himmels zu erwarten, ist auch ein bisschen viel verlangt.

Dann plötzlich riss die Bewölkung von Norden her kommend vollkommen auf. Mein Pulsschlag stieg, ich bereitete alles für eine Sonnenbeobachtung vor, baute meinen 80/400er-Refraktor auseinander und verstaute ihn mitsamt einem Schreibblock in meinen Rucksack.

Nun hieß es nur noch beten und hoffen. Der freie Teil des Himmels kam immer näher, noch würde ich die Sonne erreichen können. Jetzt, gegen 14 Uhr stand sie so tief, dass ich eine weitere Lücke in meinem Baum, die sich dank Sturm ergeben hat, nutzen konnte. Die wolkenfreie Zone bewegt sich immer weiter auf die Sonne zu. Ich also rein in meine Stiefel, dicke Winterjacke über und, nein, das darf doch nicht war sein, das kann es einfach nicht sein. Gibt es denn nur noch Murphys. Was habe ich verbrochen, dass ich so hart bestraft werde. Ist es der bloße Gedanke an eine Beobachtung, oder verlange ich vom Leben einfach zu viel?

Die Bewegung der wolkenfreien Zone war kurz vor der Sonne zum Erliegen gekommen. Es war ein Anblick, der einen Teller an die Wand werfen lassen könnte. Nördlich, also rechts von mir, absolut klarer Himmel, südlich, d.h. links, der Wolkensyph, und die Sonne knapp am Rande davon. Ein Blick zeigte mir, dass es keinen Sinn machen würde, einen Ausweichplatz aufzusuchen, da keiner von denen im Sonnenschein lag. Warum nur immer diese Murphys, warum?

Und etwa 10 Minuten später war alles wieder zu und es fing wieder leicht an zu schneien. Wieder keine Beobachtung, wieder nur Frust...



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