21.01.2000: total

Der astronomische Jahreskalender bescherte uns Sternfreunden mal wieder eine totale Mondfinsternis zu einer vollkommen unchristlichen Zeit, nämlich am frühen Morgen des 21. Januar 2000, die einzige in Deutschland in diesem Jahr sichtbare. In der Zeit von 3:03 Uhr MEZ bis zum Monduntergang um 7:50 Uhr sollte der Mond im Erdschatten stehen (Totalität von 5:09 bis 6:25 Uhr MEZ für einen Beobachtungsort auf 10° geographischer Länge und 50° nördlicher Breite). Man durfte zudem aufgrund des Vulkanausbruchs in Guatemala gespannt sein, wie hell oder besser dunkel die Finsternis ausfallen würde.

Allerdings waren die Wetteraussichten mal wieder eher schlecht und so stellte ich mich nur auf ein kleines Beobachtungs- und Fotoprogramm ein, wenn sich beides überhaupt realisieren lassen würde. Am 16. Januar hatte ich per Fax Pressemitteilungen zur bevorstehenden Mondfinsternis versandt und ein paar Tage später meldete sich eine kleine Agentur bei mir, um ein Radiointerview aufzuzeichnen, das am Tag vor der Finsternis ausgestrahlt werden sollte.

Die GvA-Sektion Öffentlichkeitsarbeit hatte dieses Mal wegen der unchristlichen Beobachtungszeit und der Tatsache, daß der Mond nur von der Aussichtsplattform auf dem Wasserturm erreichbar sein würde, auf eine große Beobachtungsaktion verzichtet. Und Petrus schien uns recht zu geben, denn die Aussichten auf gutes Wetter schwanden mit jedem Tag, der der Finsternis näher kam. Allerdings gab es in den letzten Tagen Vorhersagen, daß nur im äußersten Norden eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine Beobachtung der totalen Mondfinsternis bestünde.

Am Vorabend des 21. Januar rief der NDR an und fragte an, ob ich am nächsten Morgen der Hamburg-Welle 90,3 ein kurzes Statement geben könnte. Ich sagte zu, hatte aber immer noch wenig Hoffnung, etwas zu sehen und darüber berichten zu können.

Wie immer wochentags, klingelte mein Wecker um 5 Uhr. Der erste Blick aus dem Schlafzimmerfenster verhieß nichts Gutes: Der Himmel war vollkommen zu. Auch um 5:30 Uhr war es noch so, aber dann begann sich die Wolkendecke von Norden her aufzulösen. Der Zeitpunkt des Telefoninterviews um 6:20 Uhr rückte näher und als es begann, konnte ich den Hörern immerhin vermitteln, daß man den Mond zwischen winzig kleinen Wolkenlücken hindurch beobachten konnte. Diese Lücken wurden indes aber immer größer.

Und tatsächlich: Für wenige Minuten konnte ich den verfinsterten Mond kurz vor 6:30 Uhr, dem Zeitpunkt des Austritts aus der Totalität, für mehrere Minuten mit bloßem Auge und 10 x 50 Feldstecher beobachten, bis die Wolken wieder dichter wurden und die Sicht versperrten. Zudem stand der Mond nun hinter einem Baum und ich machte mich auf den Weg zur Arbeit in der Innenstadt.

Auf dem Weg dorthin blickte ich immer wieder zum Mond. Die Sicht wurde nun immer besser und als ich in der Innenstadt aus der U-Bahnstation herauskam, war der Himmel völlig klar und der teilverfinsterte Mond stand über den Häuserschluchten der City. Nur 10 Minuten später war ich dann an meinem Arbeitsplatz angekommen und - Hagel schlug gegen die Fensterscheibe!

Fazit: Kein Foto, aber Öffentlichkeitsarbeit und einige Blicke mit dem 10 x 50 Feldstecher auf den rötlichen Mond, der, kurz vor Ende der Totalität, schon einen aufgehellten Rand zeigte.

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