20. Juli 1982: partiell

An diesem Tag bot sich mir die Gelegenheit, ein für mich neues fotografisches Gebiet kennen zu lernen. Bis dato hatte ich mich ausschlie&szli;lich mit der Natur- und Sachfotografie beschäftigt, abgesehen von den mehr oder minder erfolglosen astrofotografischen Versuchen und den größtenteils missglückten Aufnahmen der totalen Mondfinsternis vom 9. Januar 1982, als alle Schwarzweiß-Bilder überbelichtet waren und der Diafilm nicht richtig eingespult war und daher kein Sonnenlicht abbekommen hatte.

Auch an diesem Tag war geplant, die Finsternis in Farbe und SW festzuhalten. Zufälligerweise hatte ich gerade einen fast vollen Kodacolor II-Farbnegativfilm in der Kamera, mit dem ich vor allem den Untergang der verfinsterten Sonne fotografieren wollte. Als SW-Film hatte ich den Ilford Pan F mit 18 DIN Empfindlichkeit dabei.

Die mitgenommene Ausrüstung bestand aus einer Minolta XG-1 Spiegelreflexkamera, einem 45 mm Normalobjektiv und einem 135mm-Tele sowie einem 42 mm Anschlussgewinde zur Fotografie am Fernohr. Leider hatte ich mein, ohnehin klappriges, Stativ zu Hause gelassen, was ein Fehler war, da scharfe Sonnenfotos selbst mit einem relativ kleinen Teleobjektiv manchmal zu einer regelrechten Geduldsprobe werden lassen.

Die meisten Sternfreunde auf der Repsoldsternwarte der GvA Hamburg auf dem Wasserturm im Stadtpark fotografierten mit langbrennweitigen Teleobjektiven (so ein Teil besaß ich damals wie heute nicht), außerdem konnte man am GvA-C 8 Aufnahmen machen, wo natürlich sehr viel Andrang herrschte.

Ich hatte leider das Pech, an der Reihe zu sein, als sich die partiell verfinsterte Sonne gerade hinter einer Wolkenbank versteckte, die sehr massiv war und viele schon an das Ende der Finsternisbeobachtung glauben ließen.

Nachdem dann aber die Sonne praktisch unter der Wolkenbank durchgetaucht war, bot sich ein wahrhaft farbenprächtiger Sonnenuntergang. Es war an der Zeit, den Film zu wechseln. Ich drehte den fast vollen SW-Film aus der Kamera und legte den farbigen ein. Zuvor hatte ich von der Aussichtsplattform des Wasserturm einige Aufnahmen gemacht, diese aber nicht mitgezählt (oder die Zahl wieder vergessen). Die Folge: Einige Bilder waren natürlich doppelt belichtet. Da aber auf dem Rest des Films doch noch Platz war, gelangen mir am Spektiv eines GvA-Sternfreundes dann doch noch einige wunderschöne Farbaufnahmen. Auf einem auf das Format 20 x 28 cm vergrößerten Bild war sogar der „grüne Blitz“ ansatzweise zu erkennen.

Im Rückblick des Jahres 1982 gesehen, war diese Finsternis trotz aller Murphys die erfolgreichste, denn die nachfolgende am 15. Dezember 1982 fiel buchstäblich ins Wasser. Zwei gut sichtbare Finsternisse in einem Jahr, das war dann wohl doch des Guten zuviel.



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