16.09.1997: total

Totale Mondfinsternisse sind vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet in der heutigen Zeit nicht mehr sonderlich interessant. Lediglich die Wanderung des Erdschattens über auffällige Mondkrater hinweg kann unter Berücksichtigung der geographischen Lage des Beobachters und des Zeitpunktes zu dem die jeweilige Formation vom Kernschatten erfaßt wird. zu einer leichten Verbesserung der Bahnelemente des Erdtrabanten führen.

Dennoch ist eine totale Mondifnsternis ein immer immer wieder interessantes und Naturschauspiel., das viele Sternfreunde begeistert und fasziniert. Wie schon bei den vorangegangenen Mofis planten wir auch dieses Mla wieder einen öffentlichen Beobachtungsabend. Leider konnte das Planetarium dieses Mal nicht zu einer Kooperation bewegt werden, so daß wir die Aktion ausschließlich in unseren eigenen Räumlichkeiten im Wasserturm durchführen mußten. Wegen der Bauarbeiten an der Südseite durften wir aus Sicherheitsgründen die Aussichtsplattform nicht für die Öffentlichkeit freigeben.

Die Vorbereitungen

Trotz der vemeintlich ungünstigen Voraussetzungen für eine Beobachtung der Finsternis (Aufgang des teilverfinsterten Mondes am noch aufgehellten Osthimmel, Mond möglicherweise erst nach Mitte der Finsternis deutlich sichtbar), ließen wir uns nicht von unserem Vorhaben abbringen, an diesem Abend etwas für die Öffentlichkeit zu bieten.

Bereits Mitte August hatte ich mit Hamburg 1 telefoniert und einen Termin für den Morgen des 16. September ausgemacht, an dem mein Freund und ich die Finsternis und den Beobachtungsabend im Fernsehen ankündigen woltlen. Nachdem Hamburg 1 mit uns einen April-Scherz über Hale-Bopp gedreht hatte und man uns anbot, auch einmal länger über unsere Vereinsarbeit zu berichten, luden wir unsere "Hofberichterstatter" ein, am Finsternisabend mit einem Kamerateam vorbeizuschauen, was auch zugesagt wurde.

In den Tagen vor der Finsternis bereitete ich dann die Pressemitteilungen vor, die am 11.09.97 an Hamburger Rundfunkstationen, das Hamburger Abendblatt und die Morgenpost gefaxt wurden. Montags bzw. dienstags darauf erschienen dann die entsprechenden Hinweise, wobei erstmalig in der Vorankündigung auch unser Vereinsname richtig wiedergegeben wurde.

Der Finsternistag

Mit Spannung erwarteten wir nun die herrannahende Mondfinsternis. Wir waren sehr gespannt, ob das Wetter mitspielen würde und wieviele Besucher sich wohl in den Stadtpark aufmachten. Den ganzen Tag über wechselten sich blauer Himmel und Wolken ab, gegen Abend kamen dann noch die "heißgeliebten" Cirren hinzu und wir sahen die ganze Aktion schon den Bach heruntergehen.

Gegen 18 Uhr traf ich am Planetarium ein, kurz darauf kam auch das Aufnahmeteam von Hamburg 1. Nach einer kurzen Vorbesprechung wurden mit mir ein paar Szenen auf der Wiese vor dem Wasserturm gedreht. Da wir den Kameraleuten die Gelegenheit geben wollten, die Finsternis, so Petrus denn ein Einsehen haben möge, in voller Länge zu filmen, richteten wir auf der für die breite Öffentlichkeit gesperrten Aussichtsplanform die "GvA-Pressetribüne" ein. Telefonisch war mir ein paar Stunden zuvor mitgeteilt worden, daß die Plattform vom Planetarium fur die Presse freigegehen worden sei.

Etwa gegen 18.30 Uhr trafen die ersten finsternisinteressierten Besucher ein, um sich rechtzeitig einen guten Platz fur die Beobachtung zu ergattern. Wir richteten beim Fahrstuhl im Parterre einen GvA-lnfostand ein, an dem Beitrittserklärungen auslagen und Sternkieker verkauft wurden. Gleichzeitig achtete man von dort aus darauf, daß es nicht zu irgendwelchen Zwischenfällen kam.

Auf dem Flaggenbalkon hatte ein Vereinsmitglied seinen Refinktor auf der AD-7 montiert, der Feldstecher der Repsold-Sternwarte war auf ein Fotostativ geklemmt und ebenfalls einsatzbereit. Zudem wollten wir, wenn der Mond höher über den Horizont kam, zusätzlich den 80/910 Reftaktor entweder ebenfalls auf dem Balkon oder vor dem Wasserturm aufstellen.

Je näher nun der Zeitpunkt des Mondaufgangs rückte, desto mehr füllte sich unser Flaggenbalkon, bis alle dicht an dicht gedrängt standen, während vor dem Planetarium noch ca. 150 Besucher auf den Einlaß warteten und wir allmählich vor große logistische Probleme gestellt wurden, die sich aber dank der Mithilfe unserer Aktiven meistern ließen.

Gegen 19:30 begrüßte ich die Besucher im Namen der GvA (Gesellschaft für volkstümliche Astronomie e. V.) und gab einige Hinweise zur Mondfinsternis. Von der Aussichtsplattform filmte Hamburg 1 derweil die Szenerie.

Nur kurze Zeit später entdeckten einige Besucher den teilverfinsterten im Dunst stehenden, leicht rötlich schimmernden Mond. Je höher dieser nun kam, desto besser wurde die Sicht obwohl die zunehmende Cirrusbewölkung die Sicht aufden Erdtrabanten immer wieder verdeckte. Allerdings gab es darin auch Lücken, die eine mehr oder minder cirrenfreie Beobachtung ermöglichten.

Wir hatten alle Hände voll zu tun, den Besuchern den verfinsterten Mond an den Optiken zu zeigen. In den Momenten seines Verschwindens hinter den Wolken mußte der günstig stehende Jupiter als Beobachtungsobjekt herhalten, zudem wurden allgemeine Informationen zur Astronomie und natürlich der Mondfinsternis gegeben.

Inzwischen war der Ansturm so groß gweorden, daß wir gezwungen waren, die nördliche Hälfte der Aussichtsplattform doch für die Öffentlichkeit freizugeben. Der 80/910 Refraktor wurde dorthin befördert und einige anwesende GvA-Mitglieder beauftragt darauf zu achten, daß niemand auf das Baugerüst stieg, was auch reibungslos funktionierte.

Nach offiziellen Schätzungen waren zu Spitzenzeiten 200 bis 300 (!) Personen anwesend, manche meinten gar, es seien 400 gewesen; die über zwei Etagen verteilte Menschenmenge ließ sich nur sehr schwer schätzen!

Wir mußten jetzt zwar die Pressetribüne zur Südseite verlagern, die Pressevertreter bekamen aber so gleichzeitig die Möglichkeiten, vor Ort Beobachter der Mondfinsternis zu befragen und zu filmen.

Leider wurde auch dieses Mal die Sicht auf den Mond erst besser, als die Totalität längst vorbei war und sich sogar die sonst allgegenwärtigen Cirren allmählich verdünnisierten. Trotz der insgesamt nicht sehr berauschenden Wettersituation und der ebenfalls nicht herausragenden Finsternis an sich, hielten viele der Besucher sehr lange aus und gingen erst, als der Mond zur Hälfte aus dem Kernschatten herausgetreten war.

Diese Mondfinsternis zählte, sicher auch aufgrund des Vulkanausbrucvhs auf der Insel Motserrat und den dabei freigesetzten Ascheauswürfen nicht zu den hellsten, obwohl sie nach meiner persönlichen Einschätzung heller, zumindest aber nicht wesentlich dunkler als die vorangegangene war. Allerdings ließ sich das aufgrund der Sichtbedingungen nicht einwadnfrei feststellen.

Als schließlich alle Besucher gegangen waren, bauten wir die Teleskope wieder ab und sorgten auf der Aussichtsplattform für die Beseitigung des während der Veranstaltung angefallenen Mülls.

Der Tag danach...

...war erfüllt von der Spannung über die Berichterstattung am nächsten Morgen und wir wurden angenehm überrascht. Auch dieses Mal wurde der Vereinsname in den Medien erwähnt. Die besten Berichte brachte Hamburg 1. Nicht nur, daß in den Nachrichten den ganzen Tag lang über die Mondfinsternis und die GvA-Veranstaltung berichtet wurde, sondern auch in den Sendungen "Hamburg um 6" und "Hamburg um 7" lief ein etwa 2 minütiher Trailer. So konnten wir die GvA in der Öffentlichkeit weiter bekannt machen, wodurch die ganze Angelegenheit angesichts den enttäuschenden Wetters einen positiven Touch bekam!

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