3. Oktober 2005: partiell

3. Oktober 2005: Zum 15. mal jährte sich die deutsche Wiedervereinigung und es gab dazu eine Sonnenfinsternis, die in unseren Breiten partiell, in südlicheren Gefilden hingegen ringförmig zu sehen war.

Was also tun? Mit dem Risiko des unberechenbaren norddeutschen Wetters leben oder nach Spanien ausweichen, zumal dort die Finsternis ringförmig zu sehen sein würde. Einige GvA-Mitglieder hatten geplant, sich auf der iberischen Halbinsel ein Haus zu mieten und dort dann eine Woche Astrourlaub zu machen, eine Variante, die aus mehreren Gründen für mich jedoch nicht in Frage kam. Zudem war im fraglichen Zeitraum für mich kein längerer Urlaub einplanbar. Also blieb nur die Möglichkeit, die partielle Phase in Hamburg oder Umgebung zu beobachten. Da ich seit einiger Zeit zu den mehr oder weniger regelmäßigen Nutzern unserer Max-Beyer-Sternwarte auf dem CCB in Bergedorf gehöre, kristallisierte sich nach einiger Zeit eine gemeinsame Beobachtung mit Michael Steen heraus. Und so sollte es schließlich kommen. Oliver Rensch wollte zwar mit einem Filmteam auch die MBS heimsuchen, sagte dann aber am Abend vorher ab, als wir gerade dabei waren, aus Sonnenfilterfolie geeignete Filter zu bauen. Beim Teleskop-Service Ransburg hatte ich mir nur wenige Tage vorher dazu noch einen neuen Fotoadapter und Sonnenfilterfolie bestellt. Alles kam mit einer Rekordgeschwindigkeit noch rechtzeitig bei mir an!

Nun musste nur noch das Wetter mitspielen. Und das sah einige Tage vor der Finsternis noch sehr grausig aus. Am 1. Oktober hatte es den ganzen Tag wie aus Eimern gekübelt und die Wettervorhersage war auch eher ungünstig. Mal hieß es, die Schlechtwetterfront würde erst am Dienstag nach der Finsternis abziehen, mal sollte sie genau passend kommen. Man musste gespannt abwarten. Am 2. Oktober wachte ich schließlich unter einem wolkenlosen Himmel auf, der auf mehr hoffen ließ. Als Michael nach den Bastelstunden abends nach Hause fuhr, war der Himmel über Wandsbek so transparent wie selten, die Milchstraße kam ansatzweise durch, der Kleine Wagen war zu sehen, fst lag bei etwa 4m0, was für den Platz bei Straßenbeleuchtung schon sehr viel ist.

Am nächsten Morgen, den 3. Oktober, war der Himmel immer noch fast absolut klar. Nach dem Frühstück packte ich Sackkarre, Transportkiste und Rucksack ins Auto und fuhr los. Zumindest in einer Hinsicht war Murphy wieder dabei, denn jede sich findende Ampel war rot und so brauchte ich bei wenig Verkehr ebenso lang nach Bergedorf, wie sonst im Berufsverkehr. Leider bekam ich vor dem CCB wieder mal keinen Parkplatz und so war ich froh, die Sackkarre dabei zu haben, um nicht das ganze Equipment, das aus meinem 80/400er Refraktor, meiner Canon EOS 500 N-Kamera plus Zubehör, Laptop, Webcam, diversen Kabeln, Sonnenfilter und den nicht ganz unwichtigen Fressalien etc. quer durch Bergedorf schleppen zu müssen.

Oben bei der MBS angekommen, hatte Michael den 80/910 Refraktor der MBS bereits auf seine Polaris-1 Montierung gepackt, die er zuvor nach Kompass grob eingenordet hatte (was aber sehr gut funktionierte, denn die Monti musste nur regelmäßig in Deklination verstellt werden). Ich stellte mein Multi 80 S auf dem Stativ dazu, baute meine Videokamera auf, um das ganze Geschehen festzuhalten, und schon begann ich mit der Beobachtung. Meine Fotokamera befestigte ich zunächst am Okularauszug meines 80/400er Refraktors, da war aber erwartungsgemäß die Sonne sehr klein. Daher wechselte ich zum 80/910er, belud die Kamera mit Ektachrome 100-Film und ließ die Kameraautomatik den Rest erledigen.

Pünktlich um kurz nach 10 Uhr sah ich am nordöstlichen Sonnenrand eine erste kleine Einkerbung, die zunächst wie eine durch das Seeing bedingte, vorübergehende Einkerbung aussah, dann aber immer deutlicher wurde: Die Sonnenfinsternis hatte begonnen. Der sich vor die Sonne schiebende Mond wurde immer klarer sichtbar und konnte auch schon bald mit bloßem Auge und Sonnenfilterfolie gesehen werden.

Es dauerte nicht mehr lange, dann kam auch Michaels Schwester Ulrike, um ebenfalls die Sonnenfinsternis zu beobachten. Zwischendurch erschien mal kurz Frank Möller, der zunächst auf der MBS, später dann auf der Bergedorfer Sternwarte das Ereignis verfolgen wollte und aus Hamburg Westen mit dem Fahrrad vorbeigekommen war.

Die Finsternis schritt voran, die Videokamera lief nebenher, Fotos wurden gemacht und - ein Schelm, wer böses dabei denkt - genau zur Finsternismitte kamen Wolken an. Die aber blieben nur kurzfristig, ließen genügend große Wolkenlücken und führten dazu, dass die teilverfinsterte Sonne auch mit bloßem Auge sichtbar war. Ein Atem beraubender Anblick. Auf den Balkonen des Hochhauses standen auch mehrere Bewohner und beobachteten die Finsternis, dennoch traute sich aber offenbar niemand, bei uns vorbeizuschauen. Einige hatten sicher versucht, die Sonnenfinsternis mit Sonnenbrillen, evtl. Sogar rußgeschwärzten Gläsern zu beobachten - ihren Augen haben sie damit keinen Gefallen getan!

Die Wolken gingen wieder, aber auch die Finsternis. Schon näherte sich der magische Zeitpunkt des vierten Kontaktes, der um 12:24 Uhr MESZ eintrat. Dann war die Sonne, die an diesem Tag nur eine winzige, zudem kaum wahrnehmbare Fleckengruppe des Typs A nach Waldmeier, vom „störenden“ Mond wieder befreit, und wir konnten mit dem Grillen beginnen (der Elektrogrill ist die sinnvollste Anschaffung für die MBS seit ihrem Bestehen!). Damit wurde dieser Sonnenfinsternisvormittag sinnvoll abgerundet.

Zum Thema Temperaturverlauf während der Finsternis wäre noch folgendes anzumerken: Trotz der in Hamburg nur maximal 35%igen Bedeckung kam es uns so vor, als ob es zum Zeitpunkt des Maximums deutlich kühler wurde. Allerdings kann das auch ein vorgetäuschter Effekt sein, da zu dem Zeitpunkt die leichte Bewölkung aufgekommen war, so dass die Ursache für die Temperaturabnahme nicht so einfach zu bestimmen ist. Leider haben wir keine Messungen gemacht.

Zudem schien auch die Helligkeit kräftig abgenommen zu haben, denn etwa eine halbe Stunde vor dem 4. Kontakt kam es uns allen vor, als sei es plötzlich spürbar heller geworden, man musste mit den Augen blinzeln. Keine Ahnung, ob das real, oder nur Einbildung war, schließlich hatte zeitgleich auch die Bewölkung wieder etwas abgenommen. Bei meinen bisher beobachteten partiellen Sonnenfinsternissen habe ich das so noch nicht erlebt.

Wir zogen alle eine positive Bilanz und hätten uns so etwas auch für die vorangegangenen Mondfinsternisse gewünscht, die manchmal nicht nur zu unchristlichen Zeiten oder hinter Wolken stattfand. Dafür freuen wir uns nun um so mehr auf die totale Sonnenfinsternis vom 29. März 2006, die bei uns aber nur partiell zu sehen sein wird!



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